FRIEDRICH GERSTÄCKER
Gesamtausgaben
I. Gesammelte Schriften

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Inhalt

1. Vorgeschichte

I. Gesammelte Schriften
1. Vorgeschichte
2. Inhalte
3. Ausgaben, Einbände
II. Ausgewählte Werke
1. Ausgaben
2. Einbände

Für das Ansehen eines Schriftstellers im 19.Jh. von Bedeutung war neben dem Verfassen von Theaterstücken das Erscheinen einer Gesamtausgabe.
      Ähnlich wie Balduin Möllhausen und Karl May, allerdings mit etwas mehr Erfolg - einige seiner Stücke wurden aufgeführt - hatte Friedrich Gerstäcker sich im dramatischen Fach versucht. Auf die Gesamtausgabe, für die nur sein Hauptverleger Hermann Costenoble in Frage kam, mußte er aber lange warten. Von den GESAMMELTEN SCHRIFTEN, die ab 1872 erschienen, hat er vor seinem Tod vermutlich gerade noch die ersten Bände gesehen.

Mehr als sechs Jahre lang hatte er seinen Verleger gedrängt, bis dann endlich Costenoble 1870 einen annehmbaren Vertragsentwurf vorlegte. Costenoble, sehr auf seine Einnahmen bedacht und nicht bereit, große Risiken einzugehen, hatte jahrelang immer neue Gründe gefunden, die das Vorhaben angeblich nicht gestatteten oder hatte Vertragsentwürfe vorgelegt, die für Gerstäcker nicht akzeptabel waren.

Die folgenden Zitate [ 1 ] aus Gerstäckers Briefen an seinen Verleger Costenoble illustrieren den mühevollen Weg zu den GESAMMELTEN SCHRIFTEN.

    4.12.1864
    ... Recht lieb wäre es mir nun auch einmal Ihre Meinung über die Gesammtausgabe zu hören, denn die Zeit rückt doch nun heran und ich hätte gern daß Sie sich fest darüber entscheiden, da ich auch meine Pläne danach einrichten muß. ...

    9.12.1864
    ... Was Sie mir über die Gesammtausgabe schreiben, gefällt mir gar nicht. Sie scheinen keine rechte Lust dazu zu haben, und es wäre mir viel lieber wenn Sie mir das aufrichtig sagten. Um mit den Vorräthen mehr aufzuräumen behalten Sie überdieß noch Jahre, denn wie die Bände vertheilt erscheinen sollen, dauert es doch immer Jahre bis Alles beendet ist, und in der Zeit werden doch die einzelnen Exemplare verkauft - ja auch noch später weil nur die frühern Ausgaben dann einzeln zu bekommen sind, und gewiß noch immer verlangt werden. ...

    9.3.1866
    ... Was nun die gesammelten Werke betrifft, so thun Sie mir Unrecht wenn Sie glauben ich hätte dabei an einen anderen Verleger gedacht. Es ist mir nicht eingefallen, ich muß mich aber dabei auf meinen alten Standpunkt stellen. Sind Sie Willens auf die Bedingungen die Sie selber mir vorgeschlagen haben die gesammelten Werke zu drucken und zwar 8000 rth in längstens drei Raten innerhalb anderthalb Jahr als letzter Termin - die erste Rate zahlbar bei Beginn des Drucks so können Sie damit anfangen wann Sie wollen. Jedenfalls müßten Sie sich aber noch in diesem Jahr darüber entscheiden, da ich im nächsten Frühjahr wieder nach Amerika gehe, und bis dahin Alles geordnet sein muß. ...

    10.11.1866
    ... Nächstes Jahr, im April oder Mai denke ich wieder nach Nord Amerika & Mexico - vielleicht weiter zu gehen, und vielleicht 6 Monate auszubleiben: Vorher möchte ich aber doch gern wissen wie es mit unserer Gesammtausgabe wird. ...

    3.1.1867
    ... Im Juni gehe ich nach Amerika - ich bitte Sie freundlichst jetzt mit Ihrem Entschluß über die Gesammtausgabe bald ins Klare zu kommen, denn ich muß die Sache regulirt haben, ehe ich abreise, und zwar wenigstens 3 Monate vorher. ...

    21.1.1867
    ... Was Ihre Andeutungen über die Gesammelten Werke betrifft, so werden wir auf die Art wohl nie zum Zweck kommen, denn wenn Sie selbst das als einen Grund annehmen daß jetzt die »Klassiker« frei werden und deshalb das Publicum keine anderen Bücher kaufen würde, so findet sich in dieser Art wohl jedes Jahr ein anderer abhaltender Grund und ich käme nie zum Ziel ...

    25.5.1867
    ... Ich denke im Mai oder Juni nächsten Jahres zurück zu sein. Bis dahin müßten Sie sich aber über die Gesammtausgabe fest entschlossen haben, denn länger warte ich jetzt auf keinen Fall. Drei Monate nach meiner Rückkehr muß die Sache auf eine oder die andere Art fest geordnet sein. ...

    1.7.1867
    ... Hoffentlich einigen wir uns , nach meiner Rückkehr, leicht über eine Gesammtausgabe, sollte das aber wider Erwarten nicht der Fall sein, so finde ich es ebenfalls unbillig den anderen Verleger für ewige Zeiten scheinbar zu binden, als ob er nie ein Werk einzeln verkaufen dürfe, wenn Ihre Auflage selbst vollständig vergriffen ist. Bitte versuchen Sie jetzt keine Aenderungen weiter, denn ich würde auf keine eingehen. ...

    6.1.1869
    ... Und nun noch eine Frage, mein lieber Herr Costenoble. Wie steht es jetzt mit unseren gesammelten Werken? Die Zeiten sind so ruhig wie wir es nur wünschen können - und ich bin von meiner wahrscheinlich letzten Reise zurückgekehrt, und muß jetzt darauf denken den Ruf den ich mir - schwer genug - erworben habe, zu verwerthen.
    Bitte überlegen Sie sich nun die Sache und geben Sie mir im Lauf des Januar oder Februar Antwort. In dieser Ostermesse ist der späteste Termin den ich mir gestellt habe, und bis dahin muß es sich entscheiden. ...

    12.1.1869
    ... Ich habe jetzt meine Reisen beendet und werde nie populärer werden, als ich gegenwärtig bin. Deshalb aber auch fest entschlossen in dieser Buchhändler Messe oder vorher, hoffentlich mit Ihnen jedenfalls aber einen Contrackt über meine gesammelten Werke abzuschließen. Dabei sage ich Ihnen gleich daß ich mich auf keine Clauseln wegen Contracktlösung etc - einlasse.
    Also überlegen Sie sich die Sache ordentlich, ich lasse mich nun unter keiner Bedingung mehr länger hinausschieben
    Sie haben jedenfalls das erste Anrecht und ich stelle deshalb jetzt an Sie die Frage. Wollen Sie den Verlag meiner gesammelten Werke annehmen und nach der Ostermesse beginnen?
    Lehnen Sie es ab, dann dürfen Sie es mir auch nicht übel nehmen, wenn ich selber mich nach einem Verleger dafür umsehe, oder vielmehr die mir schon gemachten Anerbietungen prüfe.
    Es ist für beide Theile das Beste, daß wir uns klar in der Sache werden. ...

    3.2.1869
    ... Den Contrackt Entwurf habe ich erhalten und durchgelesen, ich kann mir aber nicht denken daß Sie im Ernst geglaubt haben ich würde einen solchen Contrackt unterzeichnen. Nein mein lieber Herr Costenoble, dabei ist der Vortheil ganz allein auf Ihrer Seite - nur Gewinn ohne das geringste Risico, und das wäre zu ungleich vertheilt.
    So wie ich mit meiner Arbeit fertig bin, werde ich Ihnen meine Ansichten in Contracktform senden und wir wollen dann sehn wie wir Alles einrichten.
    Entweder Sie übernehmen die gesammelten Werke oder Sie übernehmen sie nicht aber in keinem Fall werde ich mit irgend einem Buchhändler einen Contrackt abschließen, nachdem er mitten drin sagen kann: Nein, ich thue nicht mehr mit
    Auch die Zahlung muß als erste Rate vorraus gehn. ...

    15.5.1869
    ... Was Ihre letzten freundlichen Zeilen betrifft, mein lieber Herr Costenoble, so dächte ich hätte ich mich jetzt lange genug mit dem Werk hinausschieben lassen & auch genug darüber geschrieben.
    Haben Sie kein Vertrauen dazu, schön, dann unterlassen Sies, aber bis zum 1 sten Juni müssen Sie sich fest darüber entschieden haben. ...

    24.6.1869
    ... Mit den gesammelten Werken machen Sie es wie Sie wollen. Es ist so entsetzlich viel darüber debattiert, daß ich selber endlich Lust & Vertrauen dazu verloren habe. Haben Sie Vertrauen so gehn Sie vorwärts, wo nicht warten wir noch - ...

Ab 1869 begann Friedrich Gerstäcker, seine Bücher für die Gesamtausgabe noch einmal durchzusehen. Aber erst 1872 hatte der Vertrag dann seine endgültige Form.

    5.7.1869
    ... Mit dem Durchsehn der gesammelten Schriften bin ich so ziemlich fertig. ...

    8.10.1869
    ... aber wie das mit einer Gesammtausgabe werden soll, wenn Sie jetzt einen Theil meiner Bücher zu einem so billigen Preis hinauswerfen, weiß ich nicht. Keil ist ebenfalls der Meinung, daß Sie dadurch den Verkauf vollständig ruiniren, und ich würde unter solchen Bedingungen mich wohl noch einmal besinnen, ehe ich das Unternehmung auf Theilung machte. ...

    7.7.1870
    ... kann ich Ihnen nur mittheilen, daß ich mit dem Durchsehn der gesammelten Werke so gut als fertig bin, wenigstens kann ich in einer Woche fertig sein. ...

    26.9.1871
    ... Nun soll das Erste sein, daß ich an unsere Geammtauflage gehe. Was den Contrackt betrifft, so werde ich Ihnen denselben in den nächsten Tagen zurücksenden - Im Ganzen & in allen Hauptsachen bin ich damit einverstanden, nur in ein paar Kleinigkeiten wünschte ich etwas zu ändern, womit Sie sich wahrscheinlich auch ohne Weiteres einverstanden erklären werden. ...

    18.10.1871
    ... Anbei sende ich Ihnen den Contrackt mit einigen Aenderungen zurück, mit denen Sie hoffentlich einverstanden sein werden. ...

    2.2.1872
    ... Anbei folgt der Contrackt zurück. Ich glaube daß wir in Allem einverstanden sind. ...


[ 1 ]
WILLIAM H.McCLAIN und LISELOTTE E.KURTH-VOIGT:
FRIEDRICH GERSTÄCKERS BRIEFE AN HERMANN COSTENOBLE.
(in)
ARCHIV FÜR GESCHICHTE DES BUCHWESENS.- FRANKFURT: BUCHHÄNDLER-VEREINIGUNG. 1974

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